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Kein Fitnessstudio, keine Supplements: Die Wahrheit über richtiges Altern! Hopf & Kettner #32

6. Juni 2026 · Philip Hopf & Dominik Kettner

Darum geht's in dieser Folge

  • Die zehn ältesten Männer der Welt (alle über 112 Jahre) im Vergleich zum modernen Longevity-Hype à la Brian Johnson – keiner nutzte Supplements, Fitnessstudios oder Sonnenschirme.
  • Bewegung ohne Sport: Alle blieben durch Alltagsarbeit wie Landwirtschaft, Imkerei oder Spaziergänge aktiv – einer schaufelte mit 103 noch Schnee vom Dach, ein anderer arbeitete bis 99 als Sekretär.
  • Ernährung nach einfachen Prinzipien: Kleine Portionen, kein hochverarbeitetes Essen, viel Fisch statt rotes Fleisch, fermentierte Lebensmittel und das japanische Hara Hachi Bu – bei 80 % Sättigung aufhören.
  • Lebenssinn und Gemeinschaft als Schlüsselfaktor: Jeder hatte einen Grund aufzustehen – ob Familie, Arbeit oder Ehrenamt – und pflegte jahrzehntelange Freundschaften sowie Mehrgenerationenhaushalte.
  • Die Macht der Gedanken: Tägliches Gebet oder Meditation, Dankbarkeit, Vergebung statt Groll sowie die bewusste Akzeptanz des Todes waren Gemeinsamkeiten aller zehn Männer.
  • Ein kostenloses Detailportrait aller zehn ältesten Menschen mit Tagesabläufen und Ernährungsgewohnheiten steht als Download in der Videobeschreibung bereit.

Was die zehn ältesten Männer der Welt gemeinsam haben – und was das für uns bedeutet

Nur zehn Männer weltweit haben nachweislich die Marke von 112 Jahren geknackt. Der älteste von allen: Jiroemon Kimura, 116 Jahre und 54 Tage, geboren 1897 in Japan. Dahinter reihen sich Männer aus den USA, Dänemark, Venezuela, Spanien, Puerto Rico – und auch aus Deutschland: Gustav Gernet, 114 Jahre, gestorben 2019. Zehn Menschen unter 8,3 Milliarden. Die Frage, die Philip und Dominik in dieser Folge stellen: Was haben diese Männer anders gemacht als das, was uns heute als Longevity-Lifestyle verkauft wird?

Die Antwort ist ernüchternd für jeden, der einen Schrank voller Supplements hat und ein Fitnessstudio-Abo: Keiner dieser Männer nahm Nahrungsergänzungsmittel. Keiner hatte ein Fitnessstudio-Abo. Keiner war Athlet. Und keiner lief wie Brian Johnson mit einem Sonnenschirm durch die Gegend, um seine Haut vor dem Altern zu schützen.

Bewegung: Kein Sport, aber niemals Stillstand

Was alle zehn verband, war permanente körperliche Bewegung – aber nicht als Programm, sondern als Alltag. Kimura arbeitete bis 90 als Landwirt. Bräuning spazierte täglich. Fred Hale schaufelte mit 103 noch Schnee vom Dach. Keiner von ihnen saß stundenlang. Ihr Alltag erzwang Bewegung, und moderne Forschung bestätigt: Langes Sitzen ist ähnlich schädlich wie Rauchen.

Wer rastet, rostet – das ist keine Floskel, das ist das Lebensprinzip dieser Männer.

Dominik und Philip gestehen offen ein: Sie selbst sitzen täglich mindestens zehn Stunden. Beide wissen, dass sie damit genau das Gegenteil dessen tun, was diese Männer vorgelebt haben.

Ernährung: Weniger ist mehr – und kein Processed Food

Beim Essen zeigt sich ein klares Muster, das nichts mit den komplizierten Ernährungsplänen der modernen Biohacker-Szene zu tun hat:

  • Nicht bis zur vollen Sättigung essen. Kimura praktizierte das japanische Prinzip Hara Hachi Bu – bei 80% Sättigung aufhören. Weniger essen, länger leben.
  • Die größte Mahlzeit war morgens oder mittags, nie abends. Bräuning aß nach 12 Uhr mittags nichts mehr – über 35 Jahre lang praktizierte er de facto intermittierendes Fasten.
  • Hülsenfrüchte täglich. Kimura aß jeden Tag rote Bohnenkuchen und Natto (fermentierte Sojabohnen). Mercado del Toro setzte auf traditionelle puertoricanische Kost mit Hülsenfrüchten.
  • Zwei- bis dreimal Fisch pro Woche, rotes Fleisch selten. Kimura setzte auf gegrillten Fisch, Rigod Wetz auf mediterrane Kost.
  • Fermentierte Lebensmittel täglich – je nach Kulturkreis. In Japan Miso und Natto, in Deutschland wäre es Sauerkraut.
  • Null ultra-verarbeitete Lebensmittel. Nicht, weil sie diese bewusst vermieden – es gab sie schlicht nicht.

Dominik macht dabei einen wichtigen Punkt zum Thema Fisch: Die Qualität entscheidet. Zuchtlachs, vollgepumpt mit Antibiotika, ist eines der schlechtesten Lebensmittel überhaupt. Und Pangasius? Wer einmal gesehen hat, unter welchen Bedingungen der in Thailand gezüchtet wird, fasst das nie wieder an.

Trinken: Wasser, grüner Tee – und ein kleiner Schluck Alkohol

Alle tranken mineralisiertes Wasser aus Quellen und Brunnen – reich an Magnesium, Calcium und Spurenelementen. Dominik verweist auf die Blue Zone Okinawa, wo das Wasser einen besonders hohen Korallenkalziumanteil hatte, der als wesentlicher Faktor für die Langlebigkeit der Bevölkerung gilt.

Kimura trank jeden Morgen bis zu seinem Tod mit 116 Jahren grünen Tee. Philip hat seit der letzten Fastenkur komplett auf Kaffee verzichtet und trinkt stattdessen grünen Tee – mit dem Ergebnis, dass seine Leistungskurve nicht mehr abflacht.

Und Alkohol? Keiner trank exzessiv. Peres Mora trank täglich ein kleines Glas Aguardiente. Fred Hale gönnte sich gelegentlich einen kleinen Whiskey am Morgen. Bräuning trank gar keinen Alkohol. Philip erzählt von seinem Onkel, der mit 92 noch jeden Tag an seinem Fischteich arbeitet, Bäume fällt – und jeden Abend mit seiner Frau eine halbe Flasche Lemberger trinkt. Die Familie seiner Mutter ist durchweg weit über 80, alle topfit, alle trinken regelmäßig, aber nie exzessiv.

Nicht fressen, sondern essen. Nicht saufen, sondern trinken.

Schlaf: Kein Biohacking, einfach Dunkelheit und Ruhe

Die meisten dieser Männer schliefen 8 bis 9 Stunden pro Nacht. Rigod Wetz sogar 12 bis 14 Stunden. Sie schliefen mit dem Sonnenuntergang – für den Großteil ihres Lebens gab es schlicht kein künstliches Licht danach. Keine Bildschirme, kein blaues Licht, keine Reizüberflutung vor dem Einschlafen.

Philip hat seinen Schlafrhythmus mittlerweile umgestellt: oft um 21 Uhr ins Bett mit dem Sohn, um 6 Uhr raus. Das nächtliche Arbeiten bis ein oder zwei Uhr ist fast komplett verschwunden. Auch hier gilt: keine magische Formel, sondern ein individueller Rhythmus, der zum eigenen Leben passt.

Lebenswille: Wer keinen Grund hat aufzustehen, wird nicht alt

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus der Analyse dieser zehn Leben: Jeder brauchte einen Grund aufzustehen. Die Japaner nennen es Ikigai – den Lebenszweck.

Kimura hatte seine Familie und Gartenarbeit. Bräuning seine Arbeit als Sekretär – bis 99. Fred Hale war mit 108 noch aktiver Imker und Autofahrer. Peres Mora war Sheriff und Gemeinschaftsvermittler. Sie alle arbeiteten an etwas, das für sie bedeutungsvoll war, bis weit über 90.

Das Modell unserer Gesellschaft – mit 67 in Rente, dann 15 Jahre Urlaub – ist nach diesen Erkenntnissen das Toxischste, was man seinem Lebenswillen antun kann. Philip erzählt von einem österreichischen Unternehmer, der seine Firma für 200 Millionen verkaufte, dann das Geld hatte, aber seine gesamte Identität verloren hatte.

Gemeinschaft: Freunde über Jahrzehnte, Familie über Generationen

Alle zehn hatten dieselben Freunde über Jahrzehnte. Keine ausgetauschten Beziehungen, keine Netzwerk-Events – echte, gewachsene Freundschaften. Die Forschung untermauert das: Eine Metaanalyse von Holt-Lunstad aus 2010 mit 148 Studien und über 300.000 Teilnehmern zeigt, dass Einsamkeit das Sterblichkeitsrisiko um bis zu 50% erhöht.

Dazu kamen Mehrgenerationenhaushalte. Kimura hatte sieben Kinder, 14 Enkel, 25 Urenkel und 13 Ururenkel – alle Teil seines täglichen Lebens. Peres Mora: 11 Kinder, 41 Enkel, 18 Urenkel. Körperliche Nähe, Umarmungen, Berührung – all das produziert Oxytocin und war fester Bestandteil ihres Alltags.

Die Macht der Gedanken: Dankbarkeit, Vergebung, Frieden mit dem Tod

Alle zehn praktizierten täglich eine Form von Gebet, Meditation oder Stille. Peres Mora betete zweimal täglich den Rosenkranz. Kimura lebte Dankbarkeit und Akzeptanz als tägliche Praxis. Rigod Wetz machte inneren Frieden zu seinem Lebensprinzip.

Ein Punkt, der Philip und Dominik beide zum Nachdenken bringt: Keiner dieser Männer hegte chronischen Groll. Sie vergaben und ließen los. Das ist nicht nur spirituelles Gerede – chronischer Ärger ist wissenschaftlich belegt entzündungsfördernd. Wer vergibt, schützt buchstäblich seinen Körper.

Und schließlich: Sie alle hatten ihren Frieden mit dem Tod gemacht. Bräuning sagte in Interviews öffentlich: „Akzeptiere deinen unvermeidlichen Tod." Kimura sprach ruhig über das Sterben. Dominik teilt in dieser Folge eine sehr persönliche Erfahrung: sein eigenes Nahtoderlebnis während seiner Krebserkrankung, als seine Frau im neunten Monat schwanger war. Er beschreibt einen vakuumähnlichen Raum, eine Stimme, die fragte, ob er leben wolle, und die Gewissheit, dass das, was nach dem Tod kommt – was auch immer es ist – nichts ist, wovor man sich fürchten muss.

Wir alle werden nicht unsterblich sein, auch wenn ein Brian Johnson mit seinem Sonnenschirm durch die Gegend läuft.

Was bleibt als Fazit? Kein Supplement-Stack, kein Fitnessstudio, keine Biohacking-Routine hat diese Männer alt werden lassen. Sondern: Bewegung im Alltag, einfaches Essen in Maßen, echte Beziehungen über Jahrzehnte, eine Aufgabe bis ins hohe Alter, Dankbarkeit, Vergebung – und die Fähigkeit, den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren. Vielleicht ist Langlebigkeit am Ende viel einfacher, als die Longevity-Industrie es uns verkaufen will.