Podcast

Ulrich Siegmund im Klartext: „Ab nach Hause – wer unser Land ausnutzt!" Hopf & Kettner #41

4. Juli 2026 · Philip Hopf & Dominik Kettner

Darum geht's in dieser Folge

  • Ulrich Siegmund über seinen Weg vom CDU-Mitglied zum AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt – und warum er mit 35 Jahren Ministerpräsident werden will.
  • Scharfe Kritik an Friedrich Merz und der CDU: Vor der Wahl die Schuldenbremse versprochen, drei Wochen danach das größte Schuldenpaket der deutschen Geschichte beschlossen.
  • Forderung nach Abschaffung der Rundfunk-Zwangsgebühr: Siegmund will als Ministerpräsident den MDR-Medienstaatsvertrag kündigen und die Rechtsgrundlage juristisch prüfen lassen.
  • Klare Position zur Remigration: Wer einen Beitrag leisten will, ist willkommen – wer das Land ausnutzt oder Gesetze missachtet, soll gehen; Einwanderung und Asyl auf Zeit müssten strikt getrennt werden.
  • Persönliche Einblicke in Repressalien und psychischen Druck: Journalisten durchleuchten sein Privatleben, alte Kontakte werden angerufen, sein Büro wurde mehrfach angegriffen – trotzdem überwiege der überwältigende Zuspruch der Bürger.
  • Plädoyer für eine neue politische Kultur: Politiker sollten dem Volk dienen statt es zu belügen – echte Lebenserfahrung aus Unternehmertum und Handwerk sei wichtiger als technokratisches Verwaltungswissen.

Ulrich Siegmund ohne Filter: Vom CDU-Mitglied zum Hoffnungsträger der AfD

Er liegt in den Umfragen in Sachsen-Anhalt meilenweit vor allen anderen Kandidaten, wird von seinen Gegnern mit allen Mitteln bekämpft – und strahlt dabei eine Ruhe aus, die man in der deutschen Politik kaum noch kennt. Ulrich Siegmund, 35 Jahre alt, AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, sitzt bei Philip und Dominik und spricht über das, was ihn antreibt, was ihn belastet und warum er glaubt, dass dieses Land noch eine Chance hat.

Der Mensch hinter den Schlagzeilen

Philip und Dominik machen von Anfang an klar: Es geht nicht um Parteiprogrammatik und Platitüden, sondern um den Menschen Ulrich Siegmund. Was bewegt jemanden, der als Unternehmer erfolgreich war, in die Politik zu gehen – in eine Partei, deren Mitglieder ihren Job verlieren, deren Büros angegriffen werden, deren Familien unter Druck gesetzt werden?

Sigmund antwortet mit einer Offenheit, die man von Politikern nicht gewohnt ist. 80 bis 100 Stunden die Woche, die Familie sieht er kaum noch, Journalisten rufen alte Geschäftspartner und Schulfreunde an, um irgendetwas Belastendes zu finden. Psychologische Kriegsführung nennt er das – und trotzdem überwiegt für ihn das Positive:

Jeder Bürgerabend von uns ist so besucht, dass leider wieder Leute nach Hause gehen müssen, weil die Säle so voll sind. Der Zuspruch online, auch digital, gigantisch groß. Das gibt mir Kraft.

Vom CDU-Mitglied zum AfD-Frontmann

Mit 18 trat Siegmund in die CDU ein. Kommunalpolitik, Engagement für die Heimatstadt Tangermünde – eine mittelalterliche Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern, die er liebevoll als „heile Welt" beschreibt. Doch schnell merkte er: In der CDU ließ sich das nicht umsetzen, was er sich vorstellte. 2014 kam der Wechsel zur AfD – damals bei 2 bis 3 Prozent.

Was ihn ursprünglich in die Politik trieb? Ein tiefer Gerechtigkeitssinn. Als Selbstständiger einen Euro einnehmen und sehen, was davon übrig bleibt – Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Rundfunkgebühr, Zwangskammerbeiträge. Am Ende vielleicht 30 Cent in der Tasche. Wäre das Geld gut investiert, könnte man damit leben. Aber wenn jede Minute 20.000 Euro in die Ukraine fließen und gleichzeitig Krankenhäuser und Schulen kaputtgehen?

Die Schuldenbremse-Lüge und Schablonenpolitiker

Philip bringt auf den Punkt, was Millionen Deutsche umtreibt: Friedrich Merz hat vor der Wahl geschworen, die Schuldenbremse einzuhalten. Drei Wochen später kam das größte Schuldenpaket der deutschen Geschichte. Was für Menschen sind das, die so etwas tun?

Wie kann man es mit seinem Gewissen vereinbaren, sich hinzustellen und zu sagen, vor der Wahl halte ich die Schuldenbremse ein – und drei Wochen später gibt's das größte Schuldenpaket in der Geschichte dieses Landes?

Siegmund nennt diesen Typus „Schablonenpolitiker" – Menschen, die man beliebig in Positionen setzen kann, die alles mitspielen. Aber er ordnet auch ein: Das sei nichts Neues. So funktioniere Politik seit Jahrzehnten. Der entscheidende Unterschied heute? Die Smartphones in unseren Hosentaschen. Zum ersten Mal gibt es eine Informationsvielfalt, die diese Doppelmoral sichtbar macht – und damit ist der politische Gegner überfordert.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: „Weg damit"

Ein Thema, das Philip und Dominik besonders umtreibt und bei dem Siegmund eine klare Ansage macht: Als Ministerpräsident würde er den Medienstaatsvertrag mit dem MDR kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre, in denen juristisch geprüft werden soll, was ein Bundesland tatsächlich an Rundfunkinfrastruktur vorhalten muss.

Die rechtliche Grundlage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stammt aus dem Jahr 1987 – einer Zeit, in der keiner der drei am Tisch überhaupt geboren war. Die Begründung damals: Es gebe zu wenige private Medienangebote, deshalb brauche man den ÖRR zur Sicherung der Meinungsvielfalt. Siegmund hält das für komplett überholt.

84 Prozent der Deutschen wollen keine Zwangsabgabe. Da sollte man irgendwo mal Demokratie wirklich leben und das nicht immer nur erzählen.

Philip geht noch einen Schritt weiter und nennt es eine Form der „geistigen Vergewaltigung", für Propaganda bezahlen zu müssen, die man ablehnt. Siegmund bezeichnet den ÖRR als vierte Gewalt – ein Teil der Manipulation, manche würden sagen Wahlbeeinflussung.

Ein Beispiel aus dem Haustürwahlkampf macht die Wirkung greifbar:

Tür auf. „Ach, Sie sind von der AfD? Nee, im MDR haben sie gesagt, Sie sind Nazi. Ich darf nicht mit Ihnen reden." Zack, Tür zu.

Statistisch zeigt sich das Bild klar: Bei den über 75-Jährigen in Sachsen-Anhalt hat die AfD nur 19 Prozent Zustimmung, bei den 50- bis 60-Jährigen fast 60 Prozent. Eine Generationsfrage – und eine Medienfrage.

Angriffe, Überfälle und die Frage nach der Angst

Das Gespräch wird persönlich, als es um Sicherheit geht. Siegmund berichtet von einem Überfall beim Plakatieren 2021 – zwei Schläger aus dem Gebüsch, die ihn und zwei Begleiter attackierten. Sein Büro in Stendal wurde siebenmal angegriffen. Der bevorstehende Bundesparteitag in Erfurt wird von einem der größten Polizeieinsätze der Bundesgeschichte begleitet.

Angst? Siegmund sagt nein – aber Respekt und Sensibilität:

Angst ist grundsätzlich in der Politik ein ganz schlechter Begleiter, weil Angst dazu führt, dass man Fehler macht, die man vermeiden könnte. Unser Land hat einfach nicht mehr viel Zeit, und die dürfen wir diesen Emotionen nicht unterordnen.

Das Thema Personenschutz wird angeschnitten – und direkt wieder abgeblockt. Zu Recht, findet Siegmund: Solche Details preiszugeben, öffne Schwachstellen. Der Verweis auf Trump, dessen Sicherheitsumfeld systematisch ausgedünnt wurde, steht unausgesprochen im Raum.

Verwaltung, Fachexperten und die Arroganz der Berufspolitiker

Dominik stellt eine unbequeme Frage: Kann ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus dem echten Leben es wirklich mit einem System aufnehmen, das sich seit Jahrzehnten selbst am Leben hält? Siegmund dreht den Spieß um:

Sein ehemaliger Konkurrent Reiner Haseloff habe gesagt, Siegmund sei nicht geeignet, weil er eine Verwaltung noch nie von innen gesehen habe.

Und ich sag ganz klar: Vielleicht haben diejenigen die Verwaltung viel zu lange nur von innen gesehen.

Die Aufgabe eines Politikers sei nicht, jeden Gesetzestext selbst zu formulieren, sondern grundsätzliche Entscheidungen im Sinne des Volkes zu treffen – die dann von Fachexperten ausgearbeitet werden. Der handwerkspolitische Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt sei ein Handwerksmeister mit 45 Jahren Baustelle. Der könne keinen perfekten Gesetzestext schreiben – aber er wisse, wovon er spricht.

Remigration: Was wirklich gemeint ist

Philip und Dominik gehen das Reizthema Remigration direkt an. Siegmund formuliert es unmissverständlich:

Wer hier etwas machen möchte, wer hier einen Beitrag leisten möchte, herzlich willkommen. Wer sich hier nicht benehmen kann, wer unsere Kultur nicht achtet, wer unser Land ausnutzen möchte – ab nach Hause.

Remigration umfasse auch die Fachkräfte-Rückgewinnung – Deutsche, die das Land verlassen haben und zurückkehren möchten. Im Kern gehe es um etwas, das Siegmund selbst „bekloppt" findet, überhaupt erklären zu müssen:

Wir möchten eigentlich nur unsere eigenen Gesetze einhalten. Wir möchten wieder trennen zwischen Migration – Einwanderung nach strengen Kriterien – und Schutz, Asyl auf Zeit. Danach geht's nach Hause.

Die Turbo-Einbürgerung kritisiert er nicht nur aus integrationspolitischer Sicht, sondern auch als statistische Verschleierung: Wenn straffällige Ausländer eingebürgert werden, tauchen sie in der Kriminalstatistik nur noch als Deutsche auf. In Sachsen-Anhalt gehen knapp 30 Prozent der Messerdelikte auf syrische Staatsbürger zurück – nach einer Einbürgerung wäre das statistisch unsichtbar.

Das Framing und warum es nicht mehr funktioniert

Philip spricht einen Punkt an, der viele Menschen beschäftigt: Wie kann eine Partei als rassistisch und homophob geframet werden, deren Vorsitzende Alice Weidel offen lesbisch ist und mit einer farbigen Partnerin zusammenlebt? Siegmund erklärt es nüchtern: So habe man in Deutschland immer politische Konkurrenz erledigt – Stempel drauf und weg vom Fenster. Nur funktioniere es diesmal nicht mehr, weil die Menschen es selbst durchschauen.

Die Anekdote eines türkischen Taxifahrers, der sagt, alle seine Freunde wählten AfD, steht stellvertretend für eine Entwicklung, die im öffentlichen Diskurs kaum vorkommt: Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 hatte bereits ein Drittel der AfD-Wähler Migrationshintergrund.

Landesmedienanstalten und der Fall Benkz

Das Vorgehen der Landesmedienanstalt NRW gegen den Podcaster Ben von „BenAnscripted" wird am Tisch als Armutzeugnis bewertet. Siegmund, selbst Mitglied der Medienanstalt in Sachsen-Anhalt, differenziert: Seine eigene Medienanstalt arbeite neutral – auch über Parteigrenzen hinweg. Was in NRW passiert sei, sei hingegen politisch motiviert. Das Ergebnis? 6,1 Millionen Aufrufe für genau das Interview, das man unsichtbar machen wollte.

Die größte Angst des politischen Gegners

Siegmund schließt mit einer Beobachtung, die vielleicht mehr sagt als jede Umfrage: Die Angst der politischen Gegner sei nicht primär, dass die AfD regiert – sondern dass sie gut regiert. Bundeszwang, Kürzungen beim Länderfinanzausgleich – die Drohkulisse werde bereits aufgebaut. Aber das schrecke niemanden in seiner Mannschaft. Im Gegenteil:

Wir mögen anspruchsvolle Projekte.