„Der Widerstand ist überall!“ – Kayvan über Corona, Krieg, Iran & Deutschland! Hopf & Kettner #60
16. September 2026 · Philip Hopf & Dominik Kettner
Darum geht's in dieser Folge
- Kayvans Herkunft und persische Kultur: Aufwachsen als eines von 24 Geschwistern, iranische Gastfreundschaft, die alte zoroastrische Kultur und warum Perser weltweit als gebildet und erfolgreich gelten.
- Von KenFM zur Löschung: Die Entstehungsgeschichte von KenFM beim RBB-Sender Fritz, der Wandel vom Rock-Radio zum politischen Format und die Kanallöschung wegen Interviews mit Bhakdi und Wodarg während Corona.
- Propaganda durchschauen: Von Edward Bernays über Gustav Le Bon bis Hollywood – wie Gefolgschaft hergestellt wird, warum Medienkonsum die beste „Massenvernichtungswaffe" ist und weshalb Abschalten der erste Schritt zur Befreiung sei.
- Angst als Machtinstrument: Kayvan argumentiert, dass Staat und Medien systematisch Angst erzeugen, um Gehorsam zu sichern – und dass man sich dem nur durch Urvertrauen, Naturbeobachtung und spirituelle Orientierung entziehen könne.
- Bildung, Familie und Kindererziehung: Scharfe Kritik am Schulsystem, an der Apparatemedizin bei Geburten und an früher Kita-Betreuung – stattdessen ein Plädoyer für bedingungslose Liebe, Widerspruchsgeist bei Kindern und mehr Zeit mit der Familie.
- Brainbooster Academy: Kayvans neue Plattform soll anwendbares Wissen statt passiven Konsum bieten – mit Dozenten-Staffeln, KI-gestützter Sprachübersetzung und dem Ziel, eine selbstermächtigte Community von 500 Millionen Menschen aufzubauen.
Von Ken FM zu Kayvan Soufi-Siavash: Eine Reise durch Propaganda, Angst und Selbsterkenntnis
Er war einer der ersten, die während Corona ihren YouTube-Kanal verloren haben. Er hat Daniele Ganser, Ernst Wolff und Wolfgang Wodarg einem Millionenpublikum bekannt gemacht, bevor das Wort „Schwurbler" überhaupt erfunden war. Kayvan Soufi-Siavash – vielen noch als Ken Jebsen bekannt – sitzt bei Philip und Dominik am Tisch und liefert knapp zwei Stunden komprimierten Gedankenstrom ab, der es in sich hat.
Der Weg von der ARD ins digitale Exil
Kayvan erzählt die Geschichte von KenFM von Anfang an – und die beginnt nicht auf YouTube, sondern 2001 beim RBB, genauer gesagt bei der Radiostation Fritz. Er war bei der Gründung des Senders dabei, hat Frühstücksradio gemacht, Primetime moderiert und sich schließlich seine eigene Show erkämpft: eine Mischung aus Good Morning Vietnam, Wetten dass..? und Radio Days. Mit Live-Bands vor Publikum, Marshall-Verstärkern und Aktionsradio auf offener Straße – auf Verkehrsinseln, in Fußgängerzonen, überall. In zehn Jahren hatten sie knapp 1.800 Bands in der Sendung.
Doch die Rockshow wurde immer politischer. Wenn eine Band aus Israel und Palästina gemeinsam auf der Bühne stand, wollte Kayvan wissen, wie das funktioniert. Junge Soldaten ohne Beine saßen im Studio. Gespräche über NATO-Geheimarmeen, über Geld, über PTBS – das wurde der Chefredaktion irgendwann zu viel.
Ja, und dann wurde das ausgemacht mit dem Vorwurf, was ich alles sei. Absurd natürlich.
Der Umzug ins Internet folgte, in einen fensterlosen Keller. Bands passten nicht mehr rein, also wurde es reines Talk-Radio – nach dem Vorbild von Günther Gaus' „Zur Person". Keine Kliffhänger-Moderation, keine aus dem Kontext gerissenen Schnipsel, sondern 90 Minuten und länger am Stück. Die Leute wollten Zusammenhänge, keine Soundbites.
Der erste Krieger aus dem Schützengraben
2020 kam dann der Bruch. Erst das Interview mit Sucharit Bhakdi, dann mit Wolfgang Wodarg. Der Vorwurf: medizinische Fehlinformation. Der Kanal wurde gelöscht. Dominik bringt es auf den Punkt: Kayvan war der erste, der sein Schwert aus dem Schützengraben gehoben hat – und dafür umgelegt wurde. Dinge, die bei ihm noch unsagbar waren, wurden für andere danach plötzlich sagbar.
Wer so ganz am Anfang seinen Kopf aus dem Schützengraben rausstreckt, der wird immer umgelegt.
Kayvan selbst sagt: Er ist dankbar dafür. Es hat Metastasen gebildet – im positiven Sinne. Viele wurden dadurch inspiriert, eigene Formate zu starten. Die Bewegung wurde größer, nicht kleiner.
Iran: Das Land hinter den Klischees
Kayvan kommt aus einer iranischen Großfamilie – sein Vater war mit vier Frauen verheiratet, er hat 23 Geschwister. Die Familie ist über die ganze Welt verstreut: London, LA, Baden-Württemberg. Sein Großonkel Johnny Jebsen war zusammen mit Duško Popov das Vorbild für James Bond – Doppelagenten, die in Sachsenhausen umkamen.
Über den Iran räumt er mit westlichen Stereotypen auf: Das Land hat in 200 Jahren kein anderes Land angegriffen. Es beherbergt die größte jüdische Community im Nahen Osten außerhalb von Tel Aviv. Der Bildungsstandard ist hoch – kein Land hat mehr Universitätsstudierende pro 100.000 Einwohner, darunter überdurchschnittlich viele Frauen. Dass das Land heute so aussieht wie es aussieht, ist das Ergebnis von Kolonialgeschichte – der CIA-gestützte Sturz von Mossadegh 1953, die Gründung des Savak, die Mullahs als letztes Überbleibsel nach der Eliminierung aller Intellektuellen.
Dominik bestätigt die iranische Gastfreundschaft aus eigener Erfahrung – jeder einzelne Gast bei einer Einladung in Teheran wollte ihn für einen weiteren Abend einladen, nur zu Ehren eines deutschen Besuchers.
Im Iran ist es so: Jeder, der reinkommt, jeder Gast bringt pro Tag Glück. Also wollen sie dich da haben.
Der wahre Antrieb: Warum wir tun, was wir tun
Eines der ehrlichsten Momente des Gesprächs: Dominik erzählt, wie seine Schwiegermutter ihm sagte, den Namen Kettner kenne hier niemand. Dieser Pfeil saß tief – und war, wie er heute weiß, der eigentliche Antrieb hinter allem, was danach kam. Nicht der Wunsch nach Bekanntheit, sondern der unbewusste Drang zu beweisen, dass sein Name Gewicht hat.
Kayvan greift das auf und zieht den Bogen weiter: Ted Turner, der nach seiner Auszeichnung als Man of the Year nur eines sagen konnte – „Papa, ist es jetzt genug?" Alles, was er aufgebaut hatte, war nur dafür da, dass sein Vater ihn endlich sieht. Das Muster ist universal: Leistung gegen Liebe. Wer als Kind nicht bedingungslos geliebt wurde, kompensiert das ein Leben lang.
Es gibt den schönen und den wahren Grund. Warum macht ihr das, was ihr macht? Das ist eine sehr, sehr gute Frage.
Propaganda: Wer sind die wahren Meister?
Auf die Frage nach den größten Propagandisten der Geschichte antwortet Kayvan nicht mit einer einfachen Liste, sondern mit einem Systemverständnis: Alle, die man kennt, wurden eingesetzt. Niemand erscheint einfach so auf der Bildfläche. Natürlich nennt er die üblichen Verdächtigen – Edward Bernays, Gustave Le Bon, Goebbels, Churchill – aber er geht weiter.
Tom Cruise in Top Gun? Die größte Rekrutierungsmaschine der US-Armee – ohne dass er es selbst weiß. Hollywood als Propagandaapparat, gegründet mit klaren Zielen. Der American Dream als Image-Produkt.
Propaganda, so Kayvan, ist das Weglassen von Restinformation. Und Demokratie? Die Organisation von Restmacht. Und Trump? Du musst nicht wissen, dass du ein Propagandist bist. Wer bei einer Sache begeistert mitmacht, ohne zu hinterfragen, ist automatisch einer – bis zu dem Moment, in dem er aufwacht.
Die Zerstörung der Familie als Systemdesign
Kayvan beschreibt Erlebnisse von seiner Bühnenreihe „Sprechstunde", wo Menschen mit persönlichen Anliegen auftreten. Eine 22-jährige Mutter erzählt, wie die Apparatemedizin bei ihrer Geburt über sie hergefallen ist. Sie fühlte sich vergewaltigt – nicht von einem Menschen, sondern von einem System.
Daraus entwickelt sich eine seiner schärfsten Thesen: Das Angebot „Jede Frau hat das Recht auf einen Kita-Platz" bedeutet in Wahrheit, dass der Staat möglichst früh Zugriff auf die Kinder will. Schwangere Frauen werden sofort pathologisiert. Kaiserschnitttermine um 16 Uhr, damit sie schnell wieder arbeiten können. Dann Kita, Schule, Gehirnwäsche – alles darauf ausgelegt, die Familie zu zerstören.
Wenn unsere Kinder es mal besser haben sollen als wir, dann ist das Beste, dass das Kind in den ersten drei Jahren so viel wie möglich Zeit mit seiner Mutter und seinem Vater verbringt.
Sein eigener Sohn Parker, viereinhalb Jahre alt, wird zum Widerspruch erzogen. Als Kayvan ihm sagte „Du bist ja gar nicht lieb", antwortete der Kleine: „Ich habe gar nicht vor, lieb zu sein." Im ersten Elterngespräch hieß es dann: Ihr Sohn stellt zu viele Fragen. Die Empfehlung für seine älteren Kinder: Ritalin.
Angst als Geschäftsmodell – und wie man aussteigt
Angst, so Kayvan, ist das zentrale Machtinstrument. Du kommst nicht mit Angst auf die Welt – sie wird dir beigebracht, immer neu angefüttert. Erst die Russen, dann der Virus, dann die Atombombe. Ein Staat, der seine Menschen gefügig machen will, muss permanent Angst liefern.
Sein Gegenmittel: Sich der Angst stellen. Angst vor Höhe? Fallschirmlizenz gemacht. Angst vor Menschen? In die Öffentlichkeit gegangen. Als scheuer Mensch hat er sich in Zeiten von Miami Vice als Don Johnson ausgegeben, um sich an die hippen Tische zu setzen – reine Überwindung.
Für die Tiere gab's kein Corona. Einfach nicht eingeschaltet.
Die provokanteste These: Der Tod ist ein Geschenk. Nicht im morbiden Sinne, sondern weil niemand gezwungen ist, für immer auf diesem Planeten mit Ursula von der Leyen, Jens Spahn und Bill Gates leben zu müssen. Wenn man das so betrachtet, relativiert sich einiges.
Spiritualität statt Geopolitik
Kayvan hat sich verändert – von dem messerscharfen Geopolitik-Analysten der KenFM-Jahre hin zu jemandem, der die spirituelle Dimension hinter allem sucht. Sein Argument: Die wirklich wichtigen Dinge – Liebe, Licht, das Menschsein – lassen sich nicht anlesen. Der Kopf ist im Weg, weil Kopf Kontrolle bedeutet und Kontrolle Angst vor Kontrollverlust.
Das Glas auf dem Tisch hat einen Architekten. Niemand würde bestreiten, dass jemand es entworfen hat. Aber die Jahreszeiten? Das Konzept Raum und Zeit? Die Fibonacci-Zahlen? Das soll sich einfach so ergeben haben? Alles, was Gott schafft, lebt. Alles, was der Mensch schafft, lebt nicht.
Wenn heute Jesus Christus auftauchen würde und über den Starnberger See laufen würde, dann würden Leute sagen: Mein Handy war gerade aus. Kannst du noch mal machen, ich muss das ins Netz stellen.
Die Helden der Vergangenheit – Rosa Parks, die Weiße Rose, Martin Luther King – werden heute auf Plakate gedruckt. Nicht damit wir ihnen nacheifern, sondern damit wir sie bewundern. Das System will Bewunderer, keine Nachmacher. Solange du denkst „Damals wäre ich auch mutig gewesen", bleibst du in der Gegenwart passiv.
Die Brainbooster Academy: Vom Wissen zum Handeln
Kayvans neues Projekt heißt Brainbooster Academy – eine Plattform, die aussieht wie Netflix, aber Bildung liefert, die man sofort anwenden kann. Keine Einmal-Vorträge mehr, sondern Staffeln von Dozenten. Nach jeder Folge soll der Zuschauer etwas konkret umsetzen können – nicht nur schlauer sein, sondern handlungsfähiger.
Die Vision dahinter ist größer: Mit KI-gestützten Sprachklonen sollen Vorträge in jede Sprache übersetzt werden – ein Ganser, der perfekt Japanisch spricht, japanische Aufklärer, die auf Deutsch verstanden werden. Die Rechnung: Weltweit mindestens 500 Millionen Menschen als potenzielle Community. Damit wäre die babylonische Sprachverwirrung überwunden.
Das Modell ist bewusst dezentral: Keine großen Hallen, die gekündigt werden können, sondern flexible Orte. Ein physischer Campus in Schweden – bewusst dort, weil in Österreich die Impfpflicht kam und man in Schweden sicherer war vor staatlichen Eingriffen.
Der unsichtbare Lehrplan und das Spaghetti-Experiment
Ein Experiment, das Kayvan beschreibt, bringt das ganze Dilemma auf den Punkt: Dreijährige Kinder bekommen Spaghetti serviert – drei haben welche, drei nicht. Die Dreijährigen teilen wortlos ihre Hälfte. Drei Jahre später, dasselbe Experiment mit anderen Kindern: Die, die alles haben, halten die Hand davor. Was ist in diesen drei Jahren passiert?
Das ist die Frage, die alles andere erklärt. Das Schulsystem, der Wettbewerb, die Noten, die Uniformen – alles trainiert uns den natürlichen Impuls zum Teilen ab und ersetzt ihn durch Konkurrenz. Und aus diesen Kindern werden dann die Erwachsenen, die Kriege führen.
Wir kommen nicht im Wettbewerb auf die Welt. So ist es nicht.
Die Natur als Lehrmeisterin
Wenn Kayvan nicht weiter weiß, geht er in die Natur und liest ihre Metaphern. Das Wasser geht nie den direkten Weg, macht Umwege und ist damit total effektiv. Ein Baum hat Millionen unterschiedliche Blätter, aber alle führen zur selben Wurzel – wir spielen alle im selben Team. Die Metamorphose einer Raupe: In ihr ist nicht ansatzweise zu erkennen, dass daraus ein Schmetterling wird. Aber es schlummert drin.
In der Natur gibt es keinen Krieg – es gibt Konkurrenz und Kooperation, und beides existiert parallel. Kayvan nennt das Kooperenz. Und die wichtigsten Sprachen der Menschheit? Musik, Kunst und Liebe. Nonverbal, ohne Missverständnisse. Genau die werden nicht gelehrt.
Wir kennen von allem den Preis, aber von nichts den Wert.
