Staat gegen Podcast: So soll Ben Ungeskriptet mundtot gemacht werden! Hopf & Kettner #38
27. Juni 2026 · Philip Hopf & Dominik Kettner
Darum geht's in dieser Folge
- Ben Ungeskriptet knackt die Million auf YouTube – und berichtet, wie sein Höcke-Interview für massiven Stress im Kanzleramt sorgte.
- Die Landesmedienanstalt NRW stuft Ben als Journalisten ein und fordert rückwirkende Faktenprüfung aller 300+ Podcast-Folgen – ein aus seiner Sicht unmöglicher Eingriff in die Meinungsfreiheit.
- Ex-SPD-Chefin Saskia Esken rief öffentlich zum Werbeboycott gegen den Podcast auf, was laut Ben den Zugang zu großen Werbekunden deutlich erschwert hat.
- Berichte über linksextreme Einschüchterung bis hin zu Bombendrohungen gegen Kitas und abgefackelten Autos von Gästen wie Kai Diekmann zeigen eine besorgniserregende Eskalation politischer Gewalt.
- Pläne des Kulturstaatsministers für algorithmisch bevorzugte „trusted YouTuber" und stärkere Kontrolle durch Landesmedienanstalten werden als schleichende staatliche Zensur neuer Medien kritisiert.
- Der in Deutschland nicht zugelassene Film „Citizen Vigilante" von Uwe Boll geht viral über Elon Musks Plattform X – ein weiteres Beispiel für den Streisand-Effekt bei Verboten.
Eine Million Abonnenten – und der Staat wird nervös
Benjamin Bernt, Gründer und Host von Ungeskriptet, hat die Million geknackt. Am Dienstag um 0:19 Uhr war es soweit – und pünktlich zu diesem Meilenstein sitzt er bei Philip und Dominik im Studio. Doch hinter der Erfolgsstory lauert ein politisches Machtspiel, das weit über einen YouTube-Kanal hinausgeht.
Die Reaktion des Kanzleramts auf den Höcke-Podcast
Ben spricht offen darüber, was nach seinem viereinhalb Stunden langen Gespräch mit Björn Höcke passiert ist. Im Kanzleramt gab es offenbar erheblichen Unmut darüber, dass ein einzelner Podcaster Reichweiten erzielen konnte, die größer waren als die der meisten etablierten Medien. Und dann folgte eine Kaskade, die man als Zufall abtun kann – oder eben nicht:
- Schritt 1: Saskia Esken, ehemalige SPD-Vorsitzende, ruft öffentlich zum Werbeboykott gegen Ungeskriptet auf. Unternehmen sollen prüfen, ob ihre Werbung in einem solchen Podcast ausgespielt wird.
- Schritt 2: Der Kulturstaatsminister veröffentlicht einen Gastartikel in der Welt, in dem er fordert, YouTuber von Landesmedienanstalten kontrollieren zu lassen – vier Tage nach dem Höcke-Podcast.
- Schritt 3: Ben erhält ein vierseitiges Schreiben der Landesmedienanstalt NRW, in dem ihm erklärt wird, er sei sehr wohl Journalist und unterliege der journalistischen Sorgfaltspflicht – rückwirkend für über 300 Podcasts.
Die Landesmedienanstalt und die Büchse der Pandora
Der konkrete Aufhänger des Schreibens: Eine rund 20 Sekunden lange Passage aus dem Höcke-Podcast, in der Höcke behauptet, die SA habe eigentlich keine Losung gehabt. Die Behörde stuft das als unwahre Tatsachenbehauptung ein und verlangt eine nachträgliche Einordnung oder Korrektur.
Ben sieht darin einen Präzedenzfall mit weitreichenden Folgen. Akzeptiert er, dass er Journalist ist, akzeptiert er, dass eine staatliche Behörde ihm vorschreiben kann, was er zu korrigieren hat – rückwirkend und für die Zukunft. Allein das Durchsehen aller bisherigen Podcasts auf mögliche Beanstandungen würde ein halbes Jahr dauern.
„Ich sitze halt am Tisch und rede mit Leuten. In dem Moment, wo ich das hochlade, muss ich quasi checken, ob das, was die sagen, auch sachlich stimmt. Das kann ich ja gar nicht – und wenn ich das so machen müsste, dann könnte ich meinen Podcast gar nicht machen."
Mit Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel an seiner Seite will Ben das Verfahren durchfechten. Denn was dahintersteht, ist ein größerer Plan: sogenannte „Trusted YouTuber", die vom Algorithmus bevorzugt werden – während unabhängige Formate wie Ungeskriptet, aber auch Hopf & Kettner in der Sichtbarkeit nach unten gedrückt werden könnten.
„Die Freiheit stirbt immer häppchenweise. Deswegen so früh wie möglich, so hart wie möglich intervenieren."
Werbeboykott und wirtschaftliche Kriegsführung
Der Aufruf von Esken hat durchaus Spuren hinterlassen. Zwar sind kleinere, inhabergeführte Unternehmen sofort eingestiegen und wollten bei Ungeskriptet werben. Aber die großen Budgets – die ein Format dieser Größe eigentlich braucht – sitzen bei Konzernen mit Vorständen, Marketing-Abteilungen und Assistenten, die im Zweifel lieber auf einen der drei Millionen anderen Kanäle setzen, die keinen Ärger machen.
Philip zieht Parallelen zu eigenen Erfahrungen. Die ersten großen Medienattacken – Stuttgarter Zeitung, FAZ, Welt, Focus, T-Online, alles auf einmal – hat er noch genau vor Augen, inklusive des Kamerateams vor der Bürotür in Stuttgart, das stundenlang die Eingangstür anstrahlte. Und Dominik erzählt von einem anonymen Anruf vor etwa vier Jahren:
„Passen Sie auf, dass Ihr Kind heute noch aus dem Kindergarten zurückkommt."
Ab diesem Moment ließ Dominik Personenschutz für seinen Sohn abstellen. Passiert ist nichts – aber der Moment brannte sich ein.
Linker Terrorismus: Was off camera erzählt wird
Ben berichtet von Geschichten, die ihm in den letzten Wochen zugetragen wurden – Geschichten, über die die Betroffenen nicht on camera sprechen wollen. Oder sie erzählen und bitten dann, den Teil rauszunehmen.
- Bombendrohungen gegen Kitas mit dem Zusatz, man wolle „nur die Kinder von dem erwischen"
- Kai Diekmann wurde das Auto vor der Tür abgefackelt. Jemand fuhr mit dem Fahrrad vorbei und übergab ihm eine Postkarte mit einer aufgemalten Pistole und seinem Gesicht
- Sticker im Auto einer Ehefrau mit der Warnung, die Tochter nicht mehr allein zur Bushaltestelle gehen zu lassen
Das sind keine anonymen Internet-Trolle. Das ist realer Psychoterror, der ganze Familien und Umfelder destabilisiert – bis hin zur Frage, ob eine Kita die betroffenen Kinder überhaupt noch betreuen will.
Die Doppelmoral bei der Gewaltfrage
Ben zieht einen nüchternen Vergleich: Linkenparteitag und AfD-Parteitag, wer muss wie geschützt werden? Für den AfD-Parteitag in Erfurt wird laut Kotschy mit 2.000 gewaltbereiten Gegendemonstranten und dem größten Polizeieinsatz der jüngeren Bundesgeschichte gerechnet. Die umgekehrte Situation – gewaltbereite Rechte vor einem Linken-Parteitag – sucht man vergeblich.
Und trotzdem hören wir ständig, die größte Gefahr in Deutschland sei rechtsextreme Gewalt. Während die meisten angegriffenen Politiker AfD-Politiker sind. Während es AfD-Jugendorganisationen sind, die durch Straßen-Checkpoints laufen müssen, nicht umgekehrt.
Warum die CDU nicht zur Debatte kommt
Ben hat versucht, eine Diskussion zwischen Ulrich Siegmund (AfD) und Sven Schulze (CDU) auf die Beine zu stellen. Siegmund kommt. Schulze hat abgesagt.
Philip erinnert sofort an die identische Dynamik im US-Wahlkampf: Trump sagte bei Joe Rogan zu, Kamala Harris nicht. Wer von seiner Position überzeugt ist, stellt sich dem Gespräch. Wer zu schwach ist, bleibt fern und hofft, dass es niemandem auffällt.
„Ich habe den Sven Schulze öffentlich eingeladen. Ich werde auch im Podcast mehrfach darauf hinweisen, dass er nicht gekommen ist. Den Schuh lasse ich mir diesmal nicht anziehen."
Der Uwe-Boll-Film „Citizen Vigilante"
Philip hat den neuen Film von Uwe Boll gesehen – morgens um 6 Uhr, auf dem Weg zur Toilette, wie er freimütig zugibt. Der Film wurde in Deutschland verboten, woraufhin Elon Musk ihn auf X postete. Zum Zeitpunkt des Gesprächs hatten ihn bereits 10,6 Millionen Menschen gesehen.
Philip sagt: Man braucht nur die ersten fünf Minuten, um zu verstehen, warum der Film nicht ausgestrahlt werden durfte. Der Zerfall Europas wird mit drastischen Bildern gezeigt – fiktiv, aber jeder weiß sofort: Das passiert in der Realität. Bei Philip kam dabei eine krasse Wut hoch.
Und wieder die gleiche Frage: Wie kann eine Regierung so dumm sein, etwas zu verbieten, das dadurch erst viral geht? Ohne das Verbot hätten Philip und Dominik möglicherweise nie darüber gesprochen. Jetzt reden alle darüber.
Das KI-Gutachten zum AfD-Verbot
Ganz am Ende geht es um das neue Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, das einen Verbotsantrag gegen die AfD vorbereiten soll. Höckes Rechtsanwalt hat bereits reagiert: Das Gutachten wurde im Kernbereich juristischer Tätigkeit – der Subsumption – mit KI erstellt. Die Prompts wurden ebenso wenig offengelegt wie der Umfang der Überarbeitung. Methodisch damit schlicht unbrauchbar.
Ein kleines Detail am Rande findet Ben dann doch bemerkenswert: Die Ersteller haben öffentlich klargestellt, dass die über eine Million Euro Kosten privat finanziert wurden – nicht vom Staat. Dass sie das überhaupt betonen müssen, zeigt, wie weit das Bewusstsein in der Bevölkerung bereits reicht, dass der Staat NGOs finanziert, die in seinem Auftrag agieren.
Was Ungeskriptet ausmacht – und warum es so schwer zu attackieren ist
Ben formuliert es so: Wer einen Arzt angreift, hat leichtes Spiel – dessen Kompetenz kann der Patient nicht überprüfen. Aber bei einem Podcast liegt 100 Prozent des Produkts offen. Jeder kann sich selbst ein Bild machen. Genau das macht Ungeskriptet so widerstandsfähig gegen Medienangriffe.
„Ich mache das einfach, weil ich so bin. Ich mache kein Meeting ‚um zu'. Ich lade Leute ein, ohne von denen was zu wollen. Und in dem Moment, wo ich aktivistisch werde, ist es vorbei."
Philip und Dominik sind sich einig: Es gibt keinen besseren Podcaster, der diese Schallmauer hätte durchbrechen können. Nicht weil Ben eine bestimmte politische Agenda verfolgt – sondern gerade weil er keine hat. Er ist kein Ideologe. Und genau das macht ihn für die etablierte Ordnung so gefährlich.
Bens abschließender Vorschlag an den deutschen Journalismus: Ihr habt Diversity-Beauftragte, die auf Geschlecht, Herkunft und alles Mögliche achten. Aber habt ihr einen Quoten-AfDler? Auf jedem Level – vom Praktikanten bis zum Redaktionsleiter? Wenn nicht, dann könnt ihr nicht behaupten, neutral zu sein. Denn ein Journalist, der nach einem Interview mit Höcke in seine Redaktion zurückkehrt und sagt „Ich bin jetzt Team AfD" – der hat am nächsten Tag keinen Job mehr. Und alle wissen das.
