Podcast

Das Kartell der Mächtigen! So funktionieren Elite-Pädo-Netzwerke - Hopf & Kettner #12

25. März 2026 · Philip Hopf & Dominik Kettner

Darum geht's in dieser Folge

  • Michaela Huber, Psychotraumatologin und Bundesverdienstkreuzträgerin, dokumentiert seit über 40 Jahren organisierte sexuelle Gewalt an Kindern – ihre Erkenntnisse von 1995 decken sich mit dem, was die Epstein-Files heute enthüllen.
  • Elitäre Täternetzwerke funktionieren wie organisierte Kriminalität: Familienclans im Kern, umgeben von Vertrauten und Kunden – Aufstieg in Machtkreise wird durch sexuelle Erpressung und Kompromat abgesichert.
  • Trotz einer bereits 1997 durchgeführten Pilotstudie mit 273 dokumentierten Fällen ritueller Gewalt wurde ein Forschungsantrag 1999 abgelehnt – politisch wurde der Strafrahmen für Kindesmissbrauchsdarstellungen zeitweise sogar abgesenkt statt verschärft.
  • Wer das Thema öffentlich macht, wird systematisch diskreditiert: Huber selbst wurde Ziel einer verdeckten Böhmermann-Recherche, die vom ZDF-Fernsehrat beanstandet und aus der Mediathek gelöscht werden musste.
  • Die gesellschaftliche Normalisierung von Gewalt und Frühsexualisierung – von Pornographisierung über BDSM-Propagierung bis zu fragwürdiger Sexualpädagogik – schafft laut Huber einen gefährlichen Nährboden für die Verharmlosung von Übergriffen auf Kinder.
  • Hubers Appell: Trotz mächtiger Strukturen, die Aufklärung unterdrücken, braucht es Druck von unten – durch Betroffene, die sich trauen auszusagen, unabhängige Medien und eine Gesellschaft, die nicht in Resignation und Gleichgültigkeit verfällt.

Das Kartell der Mächtigen: Wie Elite-Pädophilen-Netzwerke funktionieren

Über 30 Jahre Forschung, hunderte dokumentierte Fälle, ein Bundesverdienstkreuz – und trotzdem jahrzehntelang ignoriert, angegriffen, diffamiert. Michaela Huber ist psychologische Psychotherapeutin, international anerkannte Ausbilderin in Traumatherapie und eine der profiliertesten Stimmen Deutschlands zum Thema organisierte sexuelle Gewalt gegen Kinder. Philip und Dominik haben sie als Gast im Podcast – und was sie berichtet, ist so erschütternd wie augenöffnend.

Was 1995 dokumentiert wurde, steht heute in den Epstein-Files

Michaela Huber hat bereits 1995 in ihrem Buch Multiple Persönlichkeiten – Überlebende extremer Gewalt beschrieben, was die Welt jetzt durch die Epstein-Akten mit Entsetzen zur Kenntnis nimmt: sexualisierte Folter an Kindern, organisierte Täternetzwerke, mächtige Menschen, die sich unantastbar fühlen. 1997 verantwortete sie die erste deutsche Pilotstudie zu ritueller Gewalt mit 273 dokumentierten Fällen. 1998 sagte sie im Deutschen Bundestag aus – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Forschungsantrag beim Bundesfamilienministerium wurde 1999 abgelehnt. Erst 2018, über 20 Jahre später, gab es die erste offizielle Studie an einer deutschen Universität.

Alle, die zu diesen Themen sexuelle Ausbeutung und die Folgen arbeiten, werden gemeinsam mit den Betroffenen für unglaubwürdig erklärt.

Organisiert, ritualisiert, rituell – die Abstufungen der Gewalt

Michaela Huber unterscheidet klar zwischen verschiedenen Formen sexueller Gewalt gegen Kinder. Es beginnt beim Missbrauch in der Familie oder durch Einzeltäter. Dann gibt es organisierte Formen, bei denen ganze Tätergruppen systematisch Kinder ausbeuten. Ritualisierte Gewalt bedeutet kalte, geplante Verabredung zu wiederholten Taten – auch digital, wie der spektakuläre Fall „764" zeigt, bei dem Täter Kinder über Bildschirme zu immer schlimmeren Handlungen zwingen, bis hin zum Suizid. Und schließlich rituelle Gewalt: Hier kommt ein ideologisches System hinzu – Satanismus, Faschismus, pseudoreligiöse Kulte.

Die Teilnehmer verkleiden sich mit Masken und Tierköpfen, führen pseudoreligiöse Rituale durch, und den Opfern wird vermittelt: Wir sind die eigentlichen Herren der Welt. Wir sind deine wahre Familie. Du tust das für einen höheren Zweck.

Glauben die Täter wirklich daran?

Michaela Huber ist nach Jahrzehnten der Forschung überzeugt: Nur ein ganz kleiner Teil glaubt tatsächlich an den ideologischen Überbau. Die große Mehrheit sind schlicht Männer, die ihre Gelüste ausleben wollen. Die Rituale dienen als Klebstoff – als Mechanismus der gegenseitigen Erpressung und Bindung, vergleichbar mit der Mafia oder der Yakuza.

Das Kompromat-System: Wie Eliten eingefangen werden

Einer der brisantesten Teile des Gesprächs betrifft die Frage, wie mächtige Menschen in diese Netzwerke hineingezogen werden. Michaela Huber beschreibt ein System, das sie aus Gesprächen mit investigativen Journalistengruppen aus verschiedenen europäischen Ländern kennt:

Man kann aufsteigen in der Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad, und von da an wirst du reingezogen in eine Verbrüderung durch Erpressung. Und womit kannst du Männer am meisten erpressen? Mit Sex.

Es beginnt harmlos: Manager-Treffen auf höherer Ebene, und am Abend findet jeder in seinem Zimmer ein „Angebot" vor. Da ist vielleicht eine geschminkt, die aussieht wie 17 oder 18, aber erst 13 oder 14 ist. Schon hat man das perfekte Kompromat in der Hand. Die wenigsten kommen auf die Idee, das anzuzeigen – selbst diejenigen, die ablehnen, überlegen sich Karriere und Möglichkeiten.

Ein Viertel aller Männer „ansprechbar"

Eine Zahl, die schockiert: Studien zeigen, dass etwa ein Viertel aller Männer im sexuellen Bereich auf Kinder ansprechbar ist – sie reagieren mit Erregung, wenn Kinder in sexuellen Posen gezeigt werden. Das ist die statistische Grundlage, auf der diese Netzwerke operieren und gezielt nach verwundbaren Kandidaten suchen.

Die Struktur: Familienclans im Kern, Kunden am Rand

Der Aufbau dieser Netzwerke folgt einem wiederkehrenden Muster:

  • Im innersten Zirkel: Familienclans, biologisch und transgenerational verbunden
  • Dann: Die nächsten Vertrauten, Freunde, die reingezogen werden
  • Am Rand: Kunden, die für Material oder Teilnahme bezahlen
  • Ganz unten: Die Opfer – sie werden rekrutiert und benutzt

Das geht bis in die digitale Welt: Die gerade erst abgeschaltete Plattform „Alice with Violent CP" hostete 373.000 Seiten Dokumentationen sexueller Gewalt gegen Kinder auf über 280 Servern. Die Nutzer bezahlten mit Kryptowährungen. Am 17. März 2025 wurden in acht deutschen Bundesländern Razzien durchgeführt, 600 Tatverdächtige ermittelt. Wer hat davon erfahren?

Warum der Ausstieg fast unmöglich ist

Philip stellt die naheliegende Frage: Warum lassen die Täter überhaupt Zeugen am Leben? Die Antwort ist ernüchternd: Sie lassen niemanden gehen. Aussteiger müssen sich die Freiheit erkämpfen – unter Lebensgefahr. Sie wechseln Namen und Wohnorte, brechen sämtliche Kontakte ab, kriechen monatelang in Kliniken unter. Viele werden durch die erlittene Gewalt in multiple Persönlichkeiten aufgespalten, was ihre Glaubwürdigkeit vor Gericht zusätzlich untergräbt.

Die machen sich manchmal die Finger nicht schmutzig und geben der Überlebenden das Messer und sagen: Jetzt schneidest du den auf. Und wir filmen dich. Du bist schuld. Nur bei uns bist du zu Hause.

Besonders dort, wo Tötungen stattfanden, ist ein Ausstieg nur unter extremem Aufwand möglich. In den USA ist rituelle Gewalt in mehreren Bundesstaaten ein eigener Straftatbestand. In Deutschland muss man jedem einzelnen Täter eine einzelne Tat nachweisen.

Politisches Versagen – oder politischer Wille?

Die Bilanz ist verheerend. Der offizielle Untersuchungsausschuss des Bundestags formulierte 1998 klare Empfehlungen: Spezialdezernate bei Strafverfolgungsbehörden, strukturierter Opferschutz, bessere Vernetzung. Nichts davon wurde umgesetzt. Stattdessen wurden unter dem Ampel-Justizminister die Strafen für Besitz und Verbreitung von Kindesmissbrauchsdarstellungen wieder abgesenkt. Der Fonds Sexueller Missbrauch wurde gestrichen.

Michaela Huber berichtet von Sonderkommissionen, die sie beraten hat, wo Staatsanwälte Anrufe bekamen: „Diese Schmuddelakte machst du mal zu. Du willst doch noch was werden, Junge." Ein ehemaliger FDP-Bundestagsabgeordneter wurde wenige Tage vor dem Podcast wegen einschlägiger Delikte zu acht Monaten auf Bewährung und 1.000 Euro Strafe verurteilt.

Das Diffamierungssystem gegen Aufklärer

Wer dieses Thema öffentlich macht, wird nicht widerlegt – sondern zerstört. Jan Böhmermann widmete Michaela Huber 2023 eine ganze Sendung im ZDF Magazin Royale. Ein Redaktionsmitglied schlich sich unter falscher Identität in ihr Seminar ein. Der Staatsschutz ermittelte, der ZDF-Fernsehrat gab zwei Programmbeschwerden statt, die Sendung wurde dauerhaft aus der Mediathek gelöscht. Eine öffentliche Entschuldigung gab es nie.

Michaela Huber ordnet das nüchtern ein: Figuren wie Böhmermann seien keine Hofnarren im klassischen Sinne – sie greifen nicht die Regierenden an, sondern fungieren als beauftragte Wächter, die abwehren, wenn jemand zu laut wird. In den öffentlich-rechtlichen Medien seien Fenster für diese Thematik systematisch geschlossen worden, Kollegen, die recherchierten, bekämen keine Aufträge mehr oder würden rausgemobbt.

Königshäuser, Hollywood, weltweite Netzwerke

Das Thema ist kein deutsches Phänomen und kein Problem der Unterschicht. Dominik führt die Verbindungen auf: das norwegische Königshaus und Jeffrey Epstein, Prinz Andrew und Epstein, Jimmy Savile – einer der bekanntesten BBC-Moderatoren Großbritanniens, dem hundertfache Vergewaltigungen vorgeworfen werden, auch an behinderten Kindern – und dessen enge Freundschaft mit dem heutigen König Charles. Zwei Brüder des britischen Königshauses, beide eng befreundet mit notorischen Pädophilen. Zufall?

Michaela Huber kennt nach eigener Aussage noch weit mehr Fälle aus Königshäusern, verweist aber darauf, dass diese Berichte von Betroffenen stammen. Der Fall Dutroux führte bis ins belgische Königshaus. Fast überall, wo altes Geld, neues Geld oder politische Macht konzentriert ist, finden sich solche Strukturen.

Die Pornographisierung der Gesellschaft als Nährboden

Ein wichtiger Teil des Gesprächs dreht sich um die gesellschaftliche Normalisierung. Michaela Huber beschreibt eine systematische Pornographisierung, die schon bei Kinderbüchern und der sogenannten Frühsexualisierung beginnt. Sie verweist darauf, dass ein Großteil der Geschichte der Sexualwissenschaft eine Geschichte von Pädokriminellen sei, die ihre Neigungen in Pseudowissenschaft verpackt hätten.

Immer gewaltvollere Formen von Sexualität – Analsex, BDSM, Bondage – werden als normal dargestellt. Wenn das immer normaler wird, ist der nächste Schritt nicht mehr weit: „Ich stehe auf Jugendliche. Wenn sie noch jünger sind, mag ich sie noch lieber."

Wichtig dabei: Nicht jedes Opfer wird zum Täter. Der kleinste Teil der Missbrauchten wird selbst zum Täter. Aber die sogenannte Reviktimisierung – wer einmal Opfer war, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zum Opfer – ist ein massives Problem.

Das große Egal – und warum Resignation keine Option ist

Michaela Huber diagnostiziert eine tiefgreifende gesellschaftliche Verkommenheit. Sie zitiert Antje Hermenaus Begriff vom „großen Egal" – eine Gleichgültigkeit, die sich mit einer Anything-Goes-Mentalität paart. Gleichzeitig würden diejenigen, die Kritik üben, scharf sanktioniert. Scharfes Sanktionieren gegen Kritik auf der einen Seite, Verwahrlosung auf der anderen – das sei die gefährliche Doppelbewegung unserer Zeit.

Diese Leute rechnen damit, dass wir resignieren. Das kommt nicht in Frage. Sie denken, sie sind die Herren der Welt, aber das sind sie nicht.

Michaela Hubers Haltung nach über 40 Jahren in diesem Feld ist bemerkenswert klar: Sie glaubt nicht an mystische Kräfte des Bösen, sondern an die menschliche Fähigkeit zum Bösen – und an die noch stärkere Fähigkeit zum Guten. Ihr nächstes Buch widmet sie dem Thema Sadismus und seiner Behandlung, einem Feld, zu dem in der Psychotherapie fast keine Literatur existiert.

Ich glaube, dass Liebe stärker ist als Hass. Der Mensch möchte es richtig machen. Das ist die Nummer eins. Und dahinter ist: Ich möchte gut sein. Das ist in uns allen zutiefst verankert.

Was bleibt, ist ein Auftrag an alle: sich nicht mit den Verhältnissen abfinden, selbst ein anständiger Mensch sein, in der eigenen Umgebung so viel Gutes wie möglich tun – und die Gesellschaft aufklären. Festgefressene Strukturen können aufgelöst werden. Aber nur, wenn genug Menschen es tatsächlich tun.