AfD-Gründungsmitglied packt aus: Was wirklich in Berlin passiert! Hopf & Kettner #37
24. Juni 2026 · Philip Hopf & Dominik Kettner
Darum geht's in dieser Folge
- Kai Gottschalk, Gründungsmitglied Nr. 75 der AfD, erzählt von seinen Anfängen 2013 und seinem Weg vom Banker und Versicherungswirtschaftler zum finanzpolitischen Sprecher im Bundestag.
- Scharfe Kritik an der Blockade der Stiftungsfinanzierung: Trotz Verfassungsgerichtsentscheid erhält die parteinahe Desiderius-Erasmus-Stiftung seit über sieben Jahren kein Geld – ein zweistelliger Millionenbetrag wird laut Gottschalk von CDU und SPD bewusst zurückgehalten.
- Berichte über Debanking von AfD-Spendern: Kontokündigungen bei Sparkassen und Volksbanken, Einstufung von Parteispenden als mögliche „Terrorismusfinanzierung" und systematische Benachteiligung von Parteimitgliedern und deren Geschäftspartnern.
- Gottschalk fordert millionenfache Remigration nicht eingebürgerter Personen, kritisiert Turboeinbürgerungen ohne ausreichende Sprachprüfungen und die Vollalimentierung hunderttausender Menschen im Bürgergeld, die nie ins Sozialsystem eingezahlt hätten.
- Zum Ukraine-Krieg bezeichnet er den 97-Milliarden-EU-Kredit als Haftungsrisiko für deutsche Steuerzahler und wirft der CDU vor, ernsthaft an russische Reparationszahlungen zu glauben – gleichzeitig plädiert er für sofortige Friedensverhandlungen mit Russland.
- Einblicke in den Wirecard-Untersuchungsausschuss: Gottschalk beschreibt als ehemaliger Vorsitzender, wie sich der Finanzskandal zu einer Geheimdienstaffäre entwickelte – mit Verbindungen zu Söldnertruppen, Nervengift-Formeln und dem Plan, die Deutsche Bank zu übernehmen.
AfD-Gründungsmitglied Kai Gottschalk: Vom Banker zum finanzpolitischen Sprecher
Mitgliedsnummer 75. Kai Gottschalk gehört zu den Top 100 der AfD-Gründungsmitglieder und ist damit einer der dienstältesten Akteure der Partei. In dieser Folge erzählt er Philip und Dominik, wie er 2013 eher zufällig in die Politik „reingestolpert" ist – als fertiger Betriebswirt und Jurist mit jahrelanger Erfahrung in der Versicherungswirtschaft. Kein Kreißsaal-Hörsaal-Plenarsaal-Karrierist, sondern jemand, der vorher tatsächlich gearbeitet hat. Ein Punkt, den er mit Nachdruck betont – und der die Frage aufwirft, wie es um die Qualifikation in anderen Fraktionen bestellt ist.
„Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal – aber viele von denen haben ja noch nicht mal den Hörsaal zu Ende gebracht."
Das Märchen von der ahnungslosen AfD
Der Vorwurf, die AfD habe kein Finanzwissen, wird von Kai frontal zerlegt. Er verweist auf Köpfe wie Dr. Espendiller, der mit 27 in Mathematik promoviert hat, Peter Boehringer, der maßgeblich an der Rückholung des deutschen Goldes aus den USA beteiligt war, oder Gottfried Curio. Kai selbst ist seit 2018 finanzpolitischer Sprecher der Fraktion und war Vorsitzender des Wirecard-Untersuchungsausschusses – der einzige AfD-Politiker, dem diese Rolle je zugestanden wurde. Seine Forderung nach dem Ausschuss wurde im Bundestag zunächst belacht. Vier Monate später gab es ihn.
Remigration: Was wirklich gemeint ist
Kai räumt mit dem Narrativ auf, die AfD wolle seit Generationen integrierte Deutsche mit Migrationshintergrund abschieben. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 700.000 Ukrainer im Bürgergeld, 500.000 Syrer, 207.000 Afghanen – laut Bundesagentur für Arbeit. Millionenfache Remigration bezieht sich auf Menschen ohne Aufenthaltsstatus, ohne Asylgrund, ohne einen Cent Einzahlung in die Sozialsysteme.
„Wir haben eine Industrie, die deindustrialisiert, und wir reden ernsthaft darüber, dass Millionen von Leuten, die noch nie einen einzigen Cent in unsere Sozialsysteme gezahlt haben, voll alimentiert werden."
Die Turboeinbürgerungen, doppelte Staatsbürgerschaften und Skandale wie in Bremen zeigen für ihn ein System, das bewusst darauf angelegt ist, Fakten zu schaffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wer einen deutschen Pass hat, kann nicht mehr abgeschoben werden – genau das sei der Plan.
Debanking: Wenn die Sparkasse deine Spende als Terrorismusfinanzierung einstuft
Einer der brisantesten Abschnitte des Gesprächs. Kai hat den Begriff „Debanking" in die öffentliche Debatte gebracht. Der Auslöser: Ein AfD-Mitglied überwies Parteibeitrag plus Spende an die AfD. Daraufhin erhielt er von seiner Sparkasse einen Brief, in dem sinngemäß stand: Sollten Sie noch einmal eine solche Überweisung tätigen, betrachten wir das als Terrorismusfinanzierung – mit der Drohung, die gesamte Kundenverbindung zu kündigen.
Kais eigenes Bankkonto wurde im Dezember 2017 gekündigt – ebenso das seiner 91-jährigen Mutter. Tino Chrupalla wurde das Konto bei der Postbank gekündigt. Martin Sellner wurden im zweistelligen Bereich Kontoverbindungen gestrichen. Volksbanken in NRW kündigen Kreisverbänden, Stadtratsfraktionen und Parteifunktionären systematisch die Konten. Noch krasser: Vermietern, die Räume an die AfD vermieten, und Unternehmern, die mit der Partei zusammenarbeiten, werden Prolongationen ihrer Immobilienkredite verweigert.
„Ohne Bankkonto kannst du heute nicht existieren. Und sie machen dich fertig, weil du einer demokratischen Partei, die nicht verboten ist, Geld zukommen lässt."
Die blockierte Stiftungsfinanzierung
Seit über sieben Jahren versucht die AfD, Gelder für ihre parteinahe Stiftung Desiderius-Erasmus-Stiftung zu erhalten – vergeblich. Alle anderen Parteien bekommen dreistellige Millionenbeträge für ihre Stiftungen: Konrad-Adenauer, Friedrich-Ebert, Heinrich-Böll, Rosa-Luxemburg, sogar die Hanns-Seidel-Stiftung der CSU. Diese Stiftungen unterhalten Büros in allen wichtigen Hauptstädten weltweit, briefen Parlamentarier und organisieren politische Bildungsveranstaltungen.
Das Bundesverfassungsgericht hat sinngemäß entschieden, dass die Gelder fließen müssen. Trotzdem passiert nichts. Kai nennt das beim Namen:
„Wie fucking antidemokratisch ist das denn? Das Verfassungsgericht gibt Bescheid und ein Friedrich Merz und ein Vizekanzler Klingbeil boykottieren das."
Das Treffen mit Trumps Abschiebe-Chef
In Porto traf Kai ungeplant auf Tom Homan (im Gespräch als Craig/Gregory Bovino bezeichnet), den Mann hinter Trumps Abschiebeprogramm. Ein Gespräch, das innerparteilich und medial für Aufruhr sorgte. Die übliche Maschinerie – Taz, Spiegel, die „ganze Linke" – fiel über ihn her. Kai beschreibt Homan als bescheidenen Menschen, der in der Economy Class über den Atlantik flog und sein Hotel selbst zahlte.
Die zentrale Erkenntnis aus dem Gespräch: Deutschland muss Gerichtsverfahren verkürzen, Verwaltungsprozesse straffen und bei Abschiebungen konsequenter werden. Die amerikanische Pragmatik als Vorbild – nicht in jedem Detail, aber im Grundsatz.
Die demokratische Brandmauer als antidemokratisches Werkzeug
Die AfD bekommt keinen Vizepräsidenten im Bundestag. Kai wurde die Übernahme des Ausschussvorsitzes im Finanzausschuss verweigert – stattdessen trägt die CDU einen Linken als amtierenden Vorsitzenden mit. Beim Bundesparteitag in Essen wurden Delegierte physisch blockiert. Für den kommenden Parteitag in Erfurt chartern laut Kai die Grünen selbst Busse, um die Anreise zu behindern. Die Jugendorganisation Generation Deutschland erlebte bei ihrer Gründung in Gießen, dass Busse quer unter Brücken gestellt wurden, die die Polizei nicht mehr wegbewegen konnte.
„Die, die behaupten, dass die AfD Faschisten wären, nutzen alle Mittel, die faschistisch sind – totalitäre Mittel."
Israel, Gaza und das Recht auf Kritik unter Freunden
Philip und Dominik spielen Kais viel beachtetes Video ein, in dem er die bedingungslose Solidarität mit Israel hinterfragt. Er spricht den Einfluss der AIPAC-Lobby in den USA an, die mit über 15 Millionen Dollar einen republikanischen Abgeordneten aus dem Parlament drängte, weil dieser sich gegen Militärhilfen für Israel aussprach. Er thematisiert die Bilder aus Gaza, die er schlimmer als Dresden 1945 nennt, und die Siedlergewalt im Westjordanland.
Besonders brisant: Itamar Ben Gvir hat öffentlich erklärt, es sei irrelevant, was Trump sage – Israel mache sein eigenes Ding. Und Trump selbst hat auf dem G7-Gipfel kritisiert, dass Israel wegen eines einzelnen vermuteten Hisbollah-Kämpfers ganze Gebäude wegbombt.
Kais Position: Man muss Freunden sagen können, wenn sie auf dem falschen Weg sind. NGOs wie AIPAC üben enormen Einfluss auf die Politik aus, ohne ihre Finanzen offenlegen zu müssen – während deutsche Parteien keine ausländischen Spenden annehmen dürfen. Diese Asymmetrie sei unhaltbar.
Der 97-Milliarden-Kredit und die Illusion russischer Reparationen
Im Finanzausschuss wird es konkret: 97 Milliarden Euro Kredit für die Ukraine auf europäischer Ebene. Deutschland haftet nach dem üblichen EU-Schlüssel mit etwa 28 Prozent. Und die offizielle Position von CDU, SPD und Grünen? Die Russen werden Reparationszahlungen leisten. Ernsthaft.
„Glauben die, dass die Russen den Kredit zurückzahlen? Die glauben, dass wir diesen Krieg gewinnen. Das ist ja am Ende des Tages die Ableitung daraus."
Kai erinnert an die Verhandlungen in Istanbul, die Boris Johnson torpedierte – bei 100.000 weniger Toten auf beiden Seiten und vor den massiven ukrainischen Gebietsverlusten. Russland werde keinen Quadratzentimeter zurückgeben. Die eingefrorenen russischen Vermögen, die Sanktionsdurchsetzungsgesetze – alles gebaut auf der Annahme eines Sieges, der nicht kommen wird. Und die Sanktionen treffen ohnehin nur die normalen Menschen, auf beiden Seiten.
Wirecard: Der Wirtschaftsskandal, der ein Geheimdienstskandal ist
Als Vorsitzender des Wirecard-Untersuchungsausschusses hat Kai Dinge gesehen, die weit über einen Bilanzskandal hinausgehen. Das börsennotierte DAX-Unternehmen verbrannte innerhalb von 48 Stunden 20 Milliarden an Marktkapitalisierung. Aber das war nur die Oberfläche.
Jan Marsalek, der flüchtige Wirecard-Vorstand, hatte laut Zeugenaussagen Kontakte zu Geheimdiensten, wollte eine 15.000 Mann starke Söldnertruppe in Libyen stationieren, kaufte dort fünf Betonwerke und war nach Aussage eines Zeugen im Besitz der Nowitschok-Formel. Wirecard war Dienstleister mit Prepaid-Karten für Geheimdienstorganisationen. Markus Braun, der inhaftierte CEO, verweigerte im Ausschuss jede Aussage – selbst die Frage, ob er verheiratet sei.
Es gab Verbindungen zur österreichischen ÖVP, zu Kanzler Kurz, für den Braun als Berater bis einen Tag vor der Pleite tätig war. Eine aufgelöste libanesische Bank – die Federal Bank of Middle East – deren gesamtes Führungspersonal bei Wirecard-Tochterfirmen in Nordamerika unterkam. Und der Plan, mit Wirecard die Deutsche Bank zu kaufen – ein Unternehmen unter Geheimdienstkontrolle, too big to fail, mit Zugriff auf die gesamte Deutschland AG.
„Wäre Wirecard weitergegangen, wäre das wahrscheinlich das erste Unternehmen gewesen, das von Geheimdienstorganisationen geführt wurde."
25 Prozent auf alles: Kais Vision für Deutschland
Was will Kai Gottschalk in fünf Jahren erreicht haben? Eine revolutionäre Steuerreform: 25 Prozent auf alles, Sondertatbestände abschaffen, Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Bürokratieabbau, Souveränität, attraktive Bedingungen für Investoren – ohne Subventionen wie die gescheiterten 10 Milliarden für Intel in Magdeburg. Ein Deutschland, das nicht am Rockzipfel anderer Mächte hängt, sondern seinen Weg selbstbestimmt geht. Und eine AfD, die ihre internen Strömungen bündelt und als geeinte Volkspartei auftritt.
Sein persönlicher Wunsch als Mensch: Dass er dieses Land, das er liebt, wieder so nutzen kann, dass er gerne hier lebt – in dem Wissen, dass sein Geld nicht missbräuchlich verwendet wird. Nicht weniger als revolutionär müsse es werden, um den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen.
